Die Wasserversorgung ist eine kritische Infrastruktur für den Krankenhausbetrieb, wird jedoch in Notfallplänen häufig übersehen. Der sichere Betrieb eines Krankenhauses ist bei fehlender Wasserversorgung nur für einen Zeitraum von 0 bis 8 Stunden möglich. Laut dem NOWATER-Projekt1 weisen deutsche Krankenhäuser erhebliche Lücken in ihrer Notfallvorsorge auf. Es handelt sich um eine einfach zu unterschätzende, aber existenzielle Bedrohung, die durch systematische Vorbereitung, technische Lösungen und strategische Kooperationen kontrollierbar gemacht werden kann.
Warum ist die Wassersicherheit im Krankenhaus so kritisch?
Bei einem Ausfall der Wasserversorgung ist der sichere Betrieb eines Krankenhauses in der Regel lediglich für einen Zeitraum von 0 bis 8 Stunden gewährleistet. In diesem kurzen Zeitraum müssen kritische Entscheidungen getroffen werden – von der Priorisierung lebensnotwendiger Behandlungen bis zur möglichen Evakuierung.
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Hygiene: Desinfektion, Reinigung und Toilettenspülung sind ohne Wasser nicht möglich.
Die Folge - Ein stark erhöhtes Infektionsrisiko -
Medizintechnik: Sterilisationsanlagen, Aufbereitungseinheiten für Medizinprodukte und Labore benötigen kontinuierlich reines Wasser für einen sicheren Betrieb.
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Dialyse: Patienten mit Nierenversagen sind auf Dialysebehandlungen angewiesen, die große Mengen hochreinen Wassers benötigen. Ein Wasserausfall wird für diese Patienten lebensbedrohlich.
Welche Bedrohungsszenarien gefährden die Wasserversorgung?
Das NOWATER-Projekt hat fünf kritische Krisenszenarien herausgefiltert, die die Wasserinfrastruktur sehr gefährden können:
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Hochwasser: Starkregen kann Wasserwerke überfluten und Leitungssysteme kontaminieren. Die Ahrtal-Katastrophe 2021, eines der schlimmsten Naturereignisse Deutschlands, hat die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur sehr deutlich gezeigt.
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Blackout: Ein Stromausfall kann Pumpen und Aufbereitungsanlagen lahm legen. Ohne Notstromversorgung für die gesamte Wasserkette bricht die Versorgung innerhalb von wenigen Stunden zusammen.
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Cyberangriffe: Digitale Angriffe auf Steuerungssysteme der Wasserversorgung nehmen weltweit zu und stellen eine wachsende Bedrohung dar.
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Sabotage: Gezielte Angriffe auf kritische Wasserinfrastruktur wie Wasserwerke und Hauptleitungen können ganze Regionen lahmlegen.
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Krieg: Aktuelle Konflikte zeigen, dass unter anderem die Wasserinfrastruktur ein primäres Angriffsziel darstellt.
Was sind die größten Schwachstellen deutscher Krankenhäuser?
Die aktuellen Zahlen aus dem NOWATER-Projekt zeigen deutlichen Handlungsbedarf und offenbaren ein gewisses Maß an mangelndem Risikobewusstsein:
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Fehlende externe Kooperationen: 63 %1 der Einrichtungen haben keine externe Vereinbarungen mit Wasserversorgern für den Krisenfall.
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Keine Notfalllösungen: 19 %1 der Krankenhäuser haben aktuell keine konkreten Notfalllösungen für einen Wasserausfall.
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Mangelnde alternative Versorgung: Nur 17 % 1verfügen über Regelungen für eine alternative Wasserversorgung.

Abhängig von der Tiefe der definierten Schutzziele ergeben sich zahlreiche Themenfelder, die beantwortet werden sollten:
Trinkwasser
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Wie hoch ist aktuell der tägliche Trinkwasserbedarf des Krankenhauses?
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Wieviel Wasser wird im Schadensfall benötigt? Sollen nur die wichtigsten Abteilungen mit Wasser versorgt werden oder das gesamte Krankenhaus?
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Gibt es Brunnen auf dem Gelände oder im Gebäude?
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Wie groß ist die Kapazität des Brunnens?
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Wo kann die Wasseraufbereitung stattfinden?
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Gibt es Räume im Gebäude oder wird eine externe Lösung benötigt?
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Soll auch die Versorgung der AEMP/ZSVA und die Rein- und Reinstwasserversorgung der Labore ausgelagert werden? Dazu der Hinweis: Auch bei einem kleinen Zeitfenster sind schnelle Lösungen möglich. Denn Containeranlagen brauchen beispielsweise keine Baugenehmigung.
Abwasser -
Welche zusätzlichen Möglichkeiten gibt es, das Abwasser aufzubereiten und zu entsorgen?
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Sollten vorhandene Abwassersysteme mit zusätzlichen Redundanzen ausgestattet werden - zum Beispiel durch weitere Leitungen oder Förderpumpen?
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Gibt es spezielle Anforderungen an das Abwasser zum Beispiel bei Kontaminationen?
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Sind Lösungen zur Erfüllung von Strahlenschutzverordnung, Infektionsschutzgesetz oder Biostoffverordnung erforderlich?
Welche Lösungsstrategien gibt es im Umgang mit Notfallsituationen?
Um die Wassersicherheit im Krankenhaus zu gewährleisten, sind drei zentrale Lösungsstrategien erforderlich:
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Systematische Risikoanalyse: Nutzung von NOWATER-Toolsets zur Identifizierung kritischer Prozesse und technischer Schwachstellen. Krankenhäuser müssen alle wasserabhängigen Prozesse erfassen, Prioritäten für den Notfall definieren und den Mindestbedarf für einen 72-Stunden-Notbetrieb ermitteln. Diese Analyse bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen.
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Technische Eigenvorsorge: Installation von technischen Lösungen zur Überbrückung von Versorgungsausfällen. Dazu gehören Brunnen als unabhängige Wasserquelle, Trinkwasserspeicher mit ausreichender Kapazität für den Notbetrieb sowie mobile Aufbereitungsanlagen für flexible Einsatzmöglichkeiten.
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Vernetzung und Kooperation: Aufbau von "Runden Tischen" mit Versorgern, Gesundheitsämtern und dem Katastrophenschutz. Diese Vernetzung adressiert direkt die Tatsache, dass 63 % der Einrichtungen keine externen Kooperationen haben.
Für alle diese Frage- und Zielstellungen bietet Veolia ein Rundum-Konzept an. Auf der Basis einer gemeinsamen Vor-Ort-Begehung erstellen wir eine auf die jeweilige Situation zugeschnittene Detailplanung mit einem anschließenden Kostenangebot.
Vorbereitend auf eine erste Bestandsaufnahme haben wir einen Fragebogen entwickelt, den wir Ihnen gerne zuschicken.
Die Wassersicherheit im Krankenhaus ist eine kritische, aber stark unterschätzte Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland. Ein fundiertes Verständnis der Bedrohungsszenarien, des aktuellen Vorbereitungsstands und der verfügbaren Lösungsstrategien kann Krankenhäuser dabei unterstützen, ihre Krisenfestigkeit deutlich zu verbessern und im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben. Die Zeit zu handeln ist jetzt – bevor die unsichtbare Bedrohung zur realen Krise wird.
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“NOWATER“ ist die Abkürzung des Projekts „Notfallvorsorgeplanung der Wasserver- und -entsorgung von Einrichtungen des Gesundheitswesens – organisatorische und technische Lösungsstrategien zur Erhöhung der Resilienz“ (https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Kritische-Infrastrukturen/KRITIS Projekte/NOWATER/nowater_node.html)
1Das Projekt “NOWATER" befasste sich mit der Notfallvorsorgeplanung für die Wasserversorgung und -entsorgung in Gesundheitseinrichtungen. Von 2020 bis 2023 untersuchte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gemeinsam mit seinen Partnern bestehende Wissenslücken und erarbeitete praxisnahe Lösungsansätze. https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Kritische-Infrastrukturen/KRITIS-Projekte/NOWATER/nowater_node.html