Mikroplastik im klinischen Labor: So sichern Sie die künftige Compliance

Veolia Water Technologies
von Veolia Water Technologies
09 Juli 2026
6 Minuten Lesezeit
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    Das Wichtigste in Kürze:

    Klinische Labore sind für Sterilität und Präzision stark auf Kunststoffe angewiesen, was zunehmend zu einer Belastung des Abwassers durch Mikroplastik führt. Da die regulatorischen Anforderungen steigen, müssen Labore jetzt handeln, um zukunftssicher zu bleiben.

    Die Kernfakten auf einen Blick:
     Versteckte Gefahr: Neben sichtbarem Plastikmüll gelangt täglich primäres und sekundäres Mikroplastik (z. B. aus Assays oder Materialverschleiß) ungefiltert ins Laborabwasser.
    Neue Meldepflichten ab 2026: Aktuell gelten für die In-vitro-Diagnostik (IVD) noch Ausnahmen. Ab 2026 fordert die EU-REACH-Verordnung jedoch jährliche Emissionsberichte.
     Strengere Auflagen drohen: Der Trend geht von reinen Meldepflichten hin zur aktiven Reduzierung und Filterung von Mikroplastik.
    • Proaktives Handeln: Labore, die ihr Abwassermanagement schon heute anpassen, sichern ihre künftige Compliance und stärken ihre ESG-Ziele (Nachhaltigkeit).

    In diesem Artikel lernen Sie:
    • Wie und an welchen Stellen im Laboralltag primäres und sekundäres Mikroplastik entsteht.
    • Welche konkreten Auswirkungen diese Partikel auf Ökosysteme und die menschliche Gesundheit haben.
    • Wie die aktuelle und zukünftige Gesetzeslage (REACH und IVD-Verordnung) in der EU aussieht.
    • Mit welchen Strategien und Maßnahmen sich klinische Labore optimal auf die nächste Regulierungsphase vorbereiten können.


    Ein einziger PCR-Test kann bis zu 30g Kunststoff verbrauchen 1. Rechnet man das auf das tägliche Testvolumen eines klinischen Labors hoch, wird die enorme Umweltbelastung schnell greifbar.

    Kunststoff-Einwegartikel sind für den Betrieb klinischer Labore unverzichtbar, da sie Sterilität, Sicherheit und analytische Genauigkeit gewährleisten. Doch das Bewusstsein für die ökologischen Folgen dieser Abhängigkeit wächst: Mittlerweile suchen 84% des Labor Fachpersonals aktiv nach Wegen, den ökologischen Fußabdruck ihrer Einrichtung zu reduzieren.2

    Bisher lag der Fokus meist auf den sichtbaren Laborabfällen wie Pipettenspitzen, Röhrchen, Mikrotiterplatten und Verpackungen. Zunehmend rückt jedoch ein weiteres Problem in den Vordergrund: Mikroplastik. Diese winzigen Partikel sind längst als persistente Umweltschadstoffe bekannt und rufen wegen ihrer potenziellen Auswirkungen auf Ökosysteme und die menschliche Gesundheit immer größere Bedenken hervor.3,4

    Dank neuer Erkenntnisse aus der Forschung führen Regulierungsbehörden strengere Kontrollen für die Verwendung und Freisetzung von Mikroplastik ein. Für die klinische Diagnostik und In-vitro-Diagnostik (IVD) gelten aktuell noch gesetzliche Ausnahmeregelungen. Diese sind allerdings schon jetzt an Meldepflichten geknüpft und könnten in naher Zukunft dahingehend verschärft werden, dass Mikroplastik aktiv entfernt werden muss.5

    Deshalb beginnen viele klinische Labore bereits damit, ihre eigenen Mikroplastik-Emissionen zu analysieren und nach praktischen Lösungen zu suchen, um diese Schadstoffe besser zu managen und die Umweltbelastung zu senken.

    Verständnis von Mikroplastik in klinischem Abwasser

    Das Abwasser klinischer Labore ist ein komplexes, stark variierendes Stoffgemisch – ein direktes Resultat der Vielzahl an täglichen Tests, Reagenzien, Consumables und biologischen Proben. Neben Medikamentenrückständen, Pathogenen und Spurenmetallen findet sich darin zunehmend auch Mikroplastik. Für das Abwassermanagement bedeutet das eine völlig neue Herausforderung.

    Als Mikroplastik gelten unlösliche Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von unter 5 Millimetern, während Nanoplastik erheblich kleiner ist und im Submikrometerbereich vorliegt6.
    Grundsätzlich unterscheidet man bei diesen Verunreinigungen zwei Kategorien:

    Primäres Mikroplastik: Gezielt hergestellte Partikel mit spezifischen physikalischen oder chemischen Eigenschaften, die exakt für bestimmte industrielle oder wissenschaftliche Anwendungen entwickelt wurden.

    Sekundäres Mikroplastik: Entsteht durch den Abrieb oder die Zersetzung größerer Kunststoffteile – sei es durch mechanische Beanspruchung, Chemikalien oder Umwelteinflüsse.

    Abbildung nach der Illinois Environmental Protection Agency.7

    Im klinischen Laboralltag gelangen beide Partikelarten unweigerlich ins Abwasser.8

    Primäres Mikroplastik wird oft direkt bei den Assays, bei der Gerätereinigung oder bei Systemspülungen freigesetzt. Typische Beispiele:
    → Polymer-Partikel (Beads) in turbidimetrischen Immunoassays.
    → Mikropartikel in Kalibratoren und Qualitätskontrollen, die biologische Proben simulieren.
    → Bead-basierte Capture-Technologien (Trennverfahren) in der Probenvorbereitung und Analytik.

    Sekundäres Mikroplastik resultiert aus dem schleichenden Verschleiß von Labor-Hardware und Verbrauchsmaterialien. Häufige Quellen sind:
    → Mechanische oder chemische Beanspruchung von Einwegartikeln (Pipettenspitzen, Kartuschen, Mikrotiterplatten, Probes), bei der sich kleinste Kunststoffpartikel lösen.
    → Materialermüdung bei wiederverwendbaren Komponenten wie Schläuchen, Reagenzbehältern und Ventilen durch ständige thermische, mechanische oder chemische Belastung.

    Werden diese Partikel nicht direkt an der Quelle herausgefiltert, leiten klinische Labore sie ungehindert in die kommunalen Abwassersysteme ein – mit weitreichenden Folgen für die Umwelt.

    Bewertung der Auswirkungen der Mikroplastikbelastung auf Umwelt und Gesundheit

    Das größte Problem mit Mikroplastik ist seine Persistenz. Anders als viele andere Schadstoffe wird es kaum abgebaut und reichert sich über die Zeit in Gewässern, Tieren und sogar im menschlichen Gewebe an. Diese allgegenwärtige Verbreitung bedroht ganze Ökosysteme, insbesondere aquatische Lebensräume, die das Fundament vieler Nahrungsketten bilden.9 Erschwerend kommt hinzu, dass Mikroplastik als Vektor für andere Schadstoffe wirkt: Chemikalien und Mikroorganismen lagern sich an den Partikeloberflächen an und werden so über die Wassersysteme weiträumig verteilt.10,11

    Da der Mensch über Trinkwasser, Nahrung und Atemluft unweigerlich mit Mikroplastik in Kontakt kommt, rückt das Thema zunehmend in den Fokus der öffentlichen Gesundheit. Aktuelle Laborstudien zeigen bereits Zusammenhänge zwischen Mikroplastik-Exposition, zellulärem Stress und Entzündungsprozessen. Neuere Daten deuten zudem darauf hin, dass die Partikel ideale Oberflächen für Biofilme bieten und so die Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen begünstigen könnten.10,12 

    Angesichts dieser Risiken ist absehbar, dass sich künftige Regularien nicht mehr nur auf Meldepflichten beschränken, sondern konkrete Strategien zur Vermeidung und aktiven Entfernung fordern werden.

    Regulatorische Anforderungen: Was heute gilt und was bevorsteht

    In der EU ergibt sich die Regulierung von Mikroplastik aus dem Zusammenspiel der REACH-Verordnung (die gezielt zugesetzte synthetische Polymer-Mikropartikel reguliert) und der IVD-Verordnung (EU) 2017/746.13

    Zwar beschränkt die aktuelle Gesetzgebung den Einsatz von bewusst zugesetztem Mikroplastik, sie gewährt jedoch Ausnahmen für spezifische klinische und IVD-Anwendungen. Diese Ausnahmen greifen in der Regel für typische Diagnostik-Produkte wie Reagenzien-Kits, Testkartuschen, Kalibratoren, Kontrollen und Consumables für die Probenvorbereitung.

    Dieser Ausnahmestatus ist jedoch kein Freifahrtschein. Ab 2026 müssen Hersteller und nachgeschaltete Anwender (Downstream-User) von Produkten mit gezielt zugesetztem Mikroplastik jährliche Berichte bei der ECHA einreichen. Darin müssen die geschätzten Emissionen sowie die ergriffenen Maßnahmen zur Reduzierung der Umweltbelastung offengelegt werden.14

    Die schrittweise Ausweitung der REACH-Vorgaben zeigt deutlich, wohin die Reise geht. Auch wenn die Fristen regional variieren, ist der Trend eindeutig: Der Fokus verlagert sich von reinen Meldepflichten hin zu echten Kontroll- und Reduktionsmaßnahmen.

    Es ist stark davon auszugehen, dass auch die aktuellen Ausnahmeregelungen für klinische Labore – die derzeit noch auf Transparenz abzielen – bald auf den Prüfstand kommen. Branchenexperten raten Laboren daher, schon jetzt proaktive Strategien zu implementieren, anstatt passiv auf neue Compliance-Vorgaben zu warten.15

    Für das Labormanagement bedeutet das: Abwasserprozesse müssen neu bewertet und das Umweltmonitoring ausgebaut werden. Die Infrastruktur muss flexibel genug sein, um künftige Reporting- und Reduktionspflichten problemlos abzubilden. Auch im Rahmen von ESG-Initiativen (Environmental, Social, Governance) wird das Management von Mikroplastik-Emissionen künftig massiv an Bedeutung gewinnen.

    Vorbereitung auf die nächste Regulierungsphase

    Für klinische Labore ist dieses Thema weit mehr als nur eine lästige Compliance-Pflicht. Es ist die Chance, ein proaktives Abwassermanagement aufzubauen, das die Nachhaltigkeit im Labor messbar steigert und den Betrieb zukunftssicher macht. Wer die Mikroplastik-Filtration schon heute in seine Prozesse integriert, positioniert sein Labor als Vorreiter für eine verantwortungsvolle Diagnostik.

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    *Trademark of Veolia; may be registered in one or more countries.

    Referenzen
    • 1. Mansuy JM, Migueres M, Trémeaux P, Izopet J. Will the latest wave of the COVID-19 pandemic be an ecological disaster? There is an urgent need to replace plastic by ecologically virtuous materials. Health Sci Rep. 2022;5(5):e703. doi:10.1002/hsr2.703
    • 2. Black D. Twelve reasons for labs to go greener. Chemistry World. Accessed February 12, 2026. https://www.chemistryworld.com/opinion/twelve-reasons-for-labs-to-go-greener/4016387.article
    • 3. Ziani K, Ioniță-Mîndrican CB, Mititelu M, et al. Microplastics: A Real Global Threat for Environment and Food Safety: A State of the Art Review. Nutrients. 2023;15(3):617. doi:10.3390/nu15030617
    • 4. Winiarska E, Jutel M, Zemelka-Wiacek M. The potential impact of nano- and microplastics on human health: Understanding human health risks. Environ Res. 2024;251:118535. doi:10.1016/j.envres.2024.118535
    • 5. Commission Regulation (EU) 2023/2055 - Restriction of microplastics intentionally added to products - Internal Market, Industry, Entrepreneurship and SMEs. Accessed February 10, 2026. https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/chemicals/reach/restrictions/commission-regulation-eu-20232055-restriction-microplastics-intentionally-added-products_en
    • 6. Cole M, Lindeque P, Halsband C, Galloway TS. Microplastics as contaminants in the marine environment: A review. Mar Pollut Bull. 2011;62(12):2588-2597. doi:10.1016/j.marpolbul.2011.09.025
    • 7. Microplastics. Accessed February 12, 2026. https://epa.illinois.gov/topics/water-quality/microplastics.html
    • 8. How Medical Devices Produce Microplastics. Plastics Today. Accessed February 11, 2026. https://www.plasticstoday.com/medical/microplastics-in-medical-devices-understanding-sources-and-potential-risks
    • 9. A global estimate of multiecosystem photosynthesis losses under microplastic pollution | PNAS. Accessed February 11, 2026. https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2423957122
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    • 11. Rafa N, Ahmed B, Zohora F, et al. Microplastics as carriers of toxic pollutants: Source, transport, and toxicological effects. Environ Pollut. 2024;343:123190. doi:10.1016/j.envpol.2023.123190
    • 12. Microplastics and our health: What the science says. News Center. Accessed February 11, 2026. https://med.stanford.edu/news/insights/2025/01/microplastics-in-body-polluted-tiny-plastic-fragments.html
    • 13. European Chemicals Agency (ECHA). REACH Restriction of Synthetic Polymer Microparticles: (Entry 78 of Annex XVII REACH, as Introduced by Commission Regulation (EU) 2023/2055). Accessed February 11, 2026. https://webgate.ec.europa.eu/circabc-ewpp/d/d/workspace/SpacesStore/7f416aa0-21ab-4b9e-9809-b5d7087c9501/download
    • 14. ECHA. ECHA ready to receive reports on microplastics emissions. ECHA. Accessed February 12, 2026. https://echa.europa.eu/-/echa-ready-to-receive-reports-on-microplastics-emissions
    • 15. Reach24h. EU Microplastic Emission Reporting System Officially Launched: First Submission Due by May 2026 - REACH24H. Accessed February 12, 2026. http://en.reach24h.com/news/industry-news/chemical/eu-microplastic-emission-reporting-system-launched
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