Stickstoff in Abwasserbehandlungsanlagen der Lebensmittelindustrie

Wie lässt sich Stickstoff in Abwasserbehandlungsanlagen der Lebensmittelindustrie optimal handhaben?

Veolia Water Technologies
von Veolia Water Technologies
28 April 2026
2 Minuten Lesezeit
Connect with us

    Was Sie in diesem Artikel lernen:
    Dieser Artikel erklärt, wie Unternehmen der Lebensmittelindustrie Stickstoff in ihrer Abwasserbehandlung effizient und regelkonform managen können.

    • Regulatorische Anforderungen: Welche Einleitungsgrenzwerte für Stickstoffverbindungen gelten und warum deren Einhaltung für lebensmittelverarbeitende Betriebe besonders anspruchsvoll ist.

    • Grenzen anaerober Verfahren: Warum anaerobe Behandlungsprozesse zwar CSB effizient entfernen, bei Stickstoff und Phosphor jedoch an ihre Grenzen stoßen

    • Herausforderungen der Nitrifikation: Weshalb nitrifizierende Bakterien empfindlich auf Schwankungen reagieren und wie dies die Kapazität und Stabilität von Kläranlagen beeinflusst

    • Technologische Lösungen: Wie MBBR- und Hybas-Technologien die Behandlungskapazität bestehender Anlagen verdoppeln und den Bauaufwand bei Neuanlagen um bis zu 70 % reduzieren können.

    Unternehmen der Lebensmittelbranche, insbesondere Wasser intensive Branchen wie die Fleisch- und Milchindustrie, stehen vor vielfältigen Herausforderungen: der strikten Einhaltung nationaler Richtlinien, der Antizipation regulatorischer Änderungen und der Umwandlung von Produktionsabfällen in Geschäftschancen.
    Das in der Lebensmittelindustrie anfallende Abwasser stammt nicht nur aus Produktionsprozessen, sondern auch aus Reinigungsarbeiten und generell aus dem gesamten Wasserverbrauch der Betriebe.

    Daher weist die Zusammensetzung des Abwassers je nach Jahreszeit und Produktionsprozessen erhebliche Schwankungen auf. Typischerweise ist dieses Wasser reich an Nährstoffen, vor allem an kohlenstoffhaltigen organischen Stoffen (CSB – Chemischer Sauerstoffbedarf und BSB – Biochemischer Sauerstoffbedarf) sowie an Stickstoff und Phosphor.

    Stickstoffmanagement in Abwässern

    Anaerobe Behandlungsverfahren sind zwar hocheffizient bei der Entfernung eines Großteils des biologisch abbaubaren CSB, ihre Hauptbeschränkung liegt jedoch in ihrer reduzierten Kapazität zur Entfernung von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor.

    Unternehmen müssen daher die festgelegten Einleitungsgrenzwerte für Stickstoffverbindungen (Ammoniak, Nitrate, Nitrite, organischer Stickstoff und Gesamtstickstoff) und Phosphor genau beachten. Es ist unerlässlich, den Bedarf an biologischer Nitrifikation/Denitrifikation und Phosphorentfernung in der Behandlungskette, beispielsweise nach anaeroben Prozessen, sorgfältig zu prüfen.

    Bezüglich des Stickstoffmanagements wandeln kombinierte Nitrifikations- und Denitrifikationsprozesse Ammoniakstickstoff in gasförmigen Stickstoff um. Von diesen beiden biologischen Prozessen ist die Nitrifikation zweifellos der langsamere, was sich erheblich auf die für die Behandlungsprozesse benötigten Gesamtvolumina und somit auf den erforderlichen Investitionsaufwand auswirkt. Zusätzlich zu ihrem langsamen Wachstum reagieren nitrifizierende Bakterien äußerst empfindlich auf Temperaturschwankungen sowie die für Abwässer der Lebensmittelindustrie typischen qualitativen und quantitativen Schwankungen. Kläranlagen erleben häufig Phasen mit instabilen Stickstoffkonzentrationen im Abwasser, die die gesetzlichen Grenzwerte überschreiten. Ein weiteres häufiges Szenario ist, dass die Produktionskapazität der Anlagen durch die Stickstoffentfernungskapazität der Kläranlage begrenzt wird.

    Technologien

    Derzeit bietet der Technologiemarkt Lösungen, die die Behandlungskapazität und -stabilität erhöhen, ohne die vorhandenen biologischen Volumina zu vergrößern. So lässt sich beispielsweise die Leistung konventioneller Belebtschlammanlagen verbessern. Bei neuen Kläranlagen können kompakte und effiziente Technologien direkt eingesetzt werden, wodurch der bauliche Aufwand reduziert und die Auswirkungen des Behandlungsprozesses auf die bestehende Infrastruktur minimiert werden.

    Die biologischen Systeme AnoxKaldnes* MBBR (Moving Bed Biofilm Reactor) und AnoxKaldnes Hybas* (Hybrid Biofilm and Activated Sludge System) werden aufgrund ihrer hohen Effizienz pro Volumeneinheit, ihrer größeren Stabilität gegenüber Abwasserschwankungen und der Möglichkeit der Integration in die bestehende Infrastruktur zur sicheren und schnellen Erhöhung der Behandlungskapazität häufig in der Lebensmittelabwasserbehandlung eingesetzt.

    Durch den Einsatz von AnoxKaldnes-Kläranlagen verdoppelt sich typischerweise die Behandlungskapazität einer bestehenden konventionellen Belebtschlammanlage, und die für Neuinstallationen benötigten Mengen werden um bis zu 70% reduziert.

    Bild der Veolia MBBR (Moving Bed Biofilm Reactor) Pack Technologie

    Fazit

    Ökologische Nachhaltigkeit ist für zahlreiche Unternehmen, insbesondere im Lebensmittelsektor, zu einem strategischen Faktor geworden. Diese Unternehmen legen traditionell Wert auf ihre regionale Verbundenheit und die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft. Im europäischen Kontext treiben EU-Richtlinien zur Abwasserbehandlung und die Ziele des Europäischen Green Deals die Industrie dazu an, effizientere und nachhaltigere Technologien einzuführen. Verschiedene europäische und nationale Förderprogramme bieten erhebliche Anreize zur Unterstützung von Modernisierungs- und Optimierungsprojekten für Kläranlagen und erleichtern so den Übergang zu effizienteren Verfahren, wie sie in diesem Artikel beschrieben werden. Investitionen in diese Technologien gewährleisten nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, sondern bieten auch die Chance, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Umweltauswirkungen industrieller Prozesse zu reduzieren.

    Möchten Sie das Stickstoffmanagement in Ihrem Werk zu optimieren?


    *Trademark of Veolia; may be registered in one or more countries.

    TOP